Abitur-Sonate 1958

für Viola und Klavier

Diese Sonate schrieb ich im Sommer 1958 für das „Musische Abitur“ meiner Gymnasialklasse auf der Hamburger Bismarck-Schule, welches im folgenden November – wie üblich – in einer öffentlichen Aufführung statt fand. Zwar spielte ich seit einiger Zeit neben der Geige auch Bratsche, aber hier übernahm ich das Klavier und mein Klassenkamerad – an sich Primgeiger unseres Quartetts – die Viola. Glücklicherweise besaß ein Referendar eines der ersten Tonbandgeräte, so dass es ein Tondokument dieser Aufführung gibt, welches man hier hören kann.

Der Tatsache, dass ich besonders die tiefe Lage der Viola liebe, verdankt das Adagio  seinen Anfang mit dem tiefsten Ton des Instruments, um weiter unbegleitet bis zur Quint aufzusteigen. Auch das Presto  beginnt in der Tiefe, präsentiert aber in dem aufsteigenden sprunghaften Motiv die klangliche Spannweite der Viola, um dann in der Höhe seine lyrischen Qualitäten zu zeigen. Der dann das Motiv beendende Abstieg – vom Klavier übernommen – ist mit seinen betonten Vorhalten eine Reverenz an den Schluss von Schuberts C-Dur Quintett, für das ich seit jener Zeit schwärme. Dass dann meine Sonate wie das Quintett endet, war für mich nur folgerichtig.

Klarinettisten sind überzeugt, dass Kompositionen für Viola eigentlich(!) besser für ihr Instrument geeignet seien, da die Klarinette die größere Variabilität habe und sowieso besser durchdränge. Trotz meiner Liebe zur Viola stimme ich dem durchaus zu. Insofern gibt es hier auch eine Ausgabe dieser Sonate für Klarinette in B.

42 Jahre später habe ich dann diese Sonate zu einem Klarinettenkonzert mit Streichern umgearbeitet mit einer substanziellen Erweiterung des letzten Satzes, welches man auch auf dieser Site findet.

Hartwig Riedl

Originalaufnahme der Uraufführung von 1958

I Allegro

II Adagio

III Presto

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