Drei Pop-Sonaten

für Altblockflöte und Klavier

„Per mia carissima ottuagenaria sposa“

Zunächst ein Wort zu dem etwas ungewöhnlichen Präfix „Pop-“ den ich der Gattung „Sonate“ hinzugefügt habe. Dies ist zunächst ganz schlicht mein kleiner Marketing-Gag, mit dem ich – ja offensichtlich erfolgreich – Ihre Aufmerksamkeit geweckt habe. Zweitens soll es von vornherein die Erwartungen an den Charakter dieser Kompositionen vom „hohen Ross“ herunterholen und auf eine entspannte, lächelnde menschliche Ebene führen. Dies ist Spielmusik – aber mit großer Sorgfalt verfasst. Zugleich dürfte aber auch gesagt werden, dass der Altflöte ein derartiger Spielstoff noch nicht geboten wurde. Und drittens sei damit signalisiert, dass wir uns hier harmonisch im Bereich der Unterhaltungsmusik des letzten Jahrhunderts bewegen.

Den Charakter dieser drei Sonaten könnte man mit „episch“ beschreiben. Dies bezieht sich nicht nur auf die Zahl ihrer Sätze, nämlich vier statt der üblichen drei, sondern auch auf deren relative Länge.

„Episch“ will sagen, dass diese Sonaten keine Kompositionen sind, die Motive oder auch Themen dynamisch entwickeln – hin auf ein eindrucksvolles Ziel. Ihre Musik ist auch nicht dramatisch mit heftigen Kontrasten und Konflikten. Vielmehr gleichen die Sätze bei aller Unterschiedlichkeit eher einer Fahrt durch liebliche Landschaften, ohne spektakuläre Extreme, bei der die Reise das Ziel ist und wo es um heitere Abwechslung und freudiges Wiederbegegnen geht.

Zu diesem epischen Charakter trägt auch die Form der dritten Sätze bei, die statt des traditionellen Menuetts mit Trio jeweils „Siciliani “ sind, welche auch „Pastoralen“ (d.h. Hirtenmusiken) genannt werden und deren typisches Instrument die (Block-)Flöte ist; so z.B. in einigen bezaubernden Bachkantaten; wir befinden uns also eindeutig auf dem Lande.

Dem Charakter der Musik entsprechend vermeidet der Flöten – wie auch der Klavierpart – lagenmäßig die Extreme, was auch für die Notenwerte gilt.

Eine gewisse strukturelle Ausnahme machen die zweiten Sätze, die Ruhepunkte der Sonaten, die ich einigen meiner Orchesterkompositionen entnommen habe, um sie auch im häuslichen Rahmen musizieren zu können.

Der Part der Flöte, wie der des Klaviers, ist mittelschwer, wobei die Flöte keine Scheu vor Kreuzen und Bs haben sollte. Eine Ausführung der Sonaten mit anderen Soloinstrumenten – Querflöte, Oboe, Violine oder auch anderen, transponierenden oder tiefer liegenden Instrumenten – ist durchaus möglich und erwünscht!

Ich wünsche also denjenigen, die sich auf diese Musik einlassen, ein angenehmes, erbauliches „Reisen“.

Hartwig Riedl

Pop-Sonate Nr. 1 C-Dur

II. Andante

Dieser Satz gibt im A-Teil fast genau den langsamen Satz meiner Suite für Flöte und Streicher wieder. Der B-Teil ist neu. Hier müssen die absteigenden Harmonietöne wie angezeigt sehr prononciert gespielt werden, um – neben dem Harmoniewechsel – dem Teil noch etwas mehr Charakter zu geben.

IV. Capriccio

Nach dem spritzigen Anfang ist die As-Dur Episode sehr legato zu spielen.

Der F-Dur-Teil meno mosso  sollte sehr viel langsamer gespielt in seiner Harmonieseligkeit ausgekostet werden. Da folgende Klaviersolo ist eine freche Neudeutung des Themas im 6/8 Takt, wobei die Achtel tempogleich mit denen des Themas zu Beginn sind.

Erkennen Sie in der Coda die Anspielung an ein wehmütiges deutsches Abend-Abschiedslied? Aber das augenzwinkernde Zitat des Kinderliedes zum Schluss kennt jeder!

Pop-Sonate Nr. 1 C-Dur - Audios

I Allegro

II Andante

III Siciliano

IV Capriccio

Pop-Sonata Nr. 2 d-Moll

II. Aria

Der A-Teil ist der lateinischen Pop-Kantate „Copa Surisca“ (Text nach Vergil) entnommen, die ich 1958 für das musische Abitur meiner Klasse (16 junge Männer!) geschrieben hatte. Es ist ein Tenor Solo auf den Text „Sunt et(iam) Cecropio violae de flore corollae sertaque purpurea lutea mixta rosa“: „(Hier) gibt es auch attische Veilchenkränze und Girlanden gemischt aus Lilien und Rosen“. Der Tenor wird begleitet von Gitarre und F-Blockflöte, wobei letztere die Melodie vorstellt und bei Einsatz der Stimme (hier Klavier) einen Kontrapunkt spielt.

Im B-Teil des Originals wird hierauf das Thema von einer Dixiland-Formation mit Chor aufgenommen – das war hier natürlich nicht darstellbar – um in der Reprise zu Gitarre und Flöte zurück zu kehren.

III. Andante und Siciliano (Larghetto)

Der zweite Satz endet in F-Dur und das Siciliano  steht in C-Dur, beginnt aber mit der Dominante (G7). Diesem unschönen Übergang habe ich abgeholfen, indem ich mit dem Andante eine harmonische Überleitung schrieb. Im Prinzip gilt für das Tempo beider Teile „Viertel = 96“.

Da aber im 6/8 Takt des Siciliano  zwei punktierte Viertel pro Takt gezählt werden, lautet die Tempoangabe „Punktierte Viertel = 64“ und damit „Larghetto “. Ein schnelleres Tempo ließe den Satz gehetzt erscheinen.

Pop-Sonate Nr. 2 d-Moll - Audios

I Allegro moderato

II Aria

III Siciliano

IV Allegretto

Pop-Sonata Nr. 3 c-Moll

I. Largo - Moderato

C-Moll, die namensgebende Tonart dieser Sonate scheint einen traditionell dramatischen Verlauf zu versprechen. Doch dem ist nicht so. Nach drei eröffnenden Akkorden, die wir vom Schluss von Sonate Nr. 2 kennen, folgt ein melancholisches Motiv, das sich sogleich in das parallele Es-Dur verklärt – nur, um sogleich ins Moll zurückzufallen und über die G-Dur-Dominante einen zweiten Anlauf zu nehmen, dem dann der Durchbruch gelingt zu dem Hauptteil in C-Dur.

Somit hat sich – bildlich gesprochen – der Morgennebel gelichtet und ein harmlos heiteres Thema verspricht einen sonnigen Tag. Dieser wird ab Takt 65 nur kurz getrübt durch eine ruppige Episode in d-Moll, die aber zu einem verklärten Mittelteil in D-Dur führt, bevor es noch einmal ruppig wird, was uns dann zu der Anfangsthematik in C-Dur zurückführt.

Eine ausführliche Coda ab Takt 169 beschließt dann den Satz positiv.

II. Nachtlied

Wir sind hier im parallelen a-Moll. Zu diesem Nachtlied, das es in verschiedenen Versionen gibt, findet man Wesentliches in den Erklärungen zu seiner Ausgabe für Klavier solo. Die einzige Ergänzung ist hier in der Reprise die Umspielung des Themas in der Flöte durch das Klavier im Diskant.

III. Siciliano

Ein schwingendes Thema in der Flöte wird durch einen „murmelnden Bach“ in der rechten Hand des Klaviers begleitet. Es folgt eine 5-taktige Überleitung vom parallelen a-Moll ausgehend nach e-Moll. Hier, in Moll, wird die fortlaufende Bewegung im Klavier nun dominant. Doch das Klavier beendet sie selbst mit einem unwirschen chromatischen Motiv. Diese Achtelkette wird nun von der Flöte aufgenommen, doch auch hier beendet das Klavier unwirsch diese Episode.

Also versuchen die Instrumente es mit einem besänftigenden, seraphischen Intermezzo im kristallklaren E-Dur. Die Flöte kehrt darauf zu dem ruppigen Motiv zurück – doch begleitet sie das Klavier nur wenig überzeugt im dünnen Diskant, worauf letzteres diesen Versuch beendet mit seinem unwirschen chromatischen Einwurf, doch in einer Variante, die eindeutig besagt: „Nun ist es aber genug!!!“

Einsichtig nehmen die Instrumente den harmlosen Anfang des Satzes wieder auf, versuchen verkürzt das ruppige e-Moll wieder zu beleben. Doch es folgt mit einem überraschenden Tempo-, Takt- und Harmoniewechsel nach dem anfänglichen C-Dur die fast 20-taktige Coda.

IV. Finale

Der Kreis schließt sich: wieder erklingen die drei Akkorde des Beginns der Sonate. Und in diesem Satz sind sie nicht nur Eröffnung, sondern dienen auch der Unterteilung und sind der Schluss. Zugleich thematisieren sie die Tonarten der wesentlichen Teile dieses Satzes.

Er beginnt nun mit einem erzählenden Thema in c-Moll, welches gefolgt wird von einer Episode in C-Dur, nur um dann von den drei Anfangsakkorden zurück zu c-Moll geführt zu werden. Zwei abrupte Überleitungstakte führen dann nach F-Dur zu einer bluesartigen Episode mit stufenmäßig zur Subdominante hinaufführenden Harmonien. Nach zwei Durchgängen mit unterschiedlichen Figurationen der Flöte folgt ein Mittelteil im klassischen Stil mit einer durchlaufenden Achtelbewegung im Klavier. Es gibt noch einmal einen zweifachen Durchgang des Blues-Teils – beim zweiten Mal im Klavier etwas entrückt im Diskant.

Wir kehren zum ausführlichen c-Moll Thema zurück, zunächst angestimmt von Klavier. Doch nach zwei Takten von der Flöte fortgeführt.

Hierauf endet der Satz und damit die Sonate mit einem zweimaligen kräftigen, dreitaktigen gegenläufigen Moll-Motiv, grundiert von einem absteigenden selbstbewussten Bass. Es führt zu den drei bekannten Akkorden und damit zu einem harmonischen Ende der Sonate.

Pop-Sonate Nr. 3 c-Moll - Audios

I Largo - Allegro moderato

II Nachtlied

III Siciliano

IV Finale

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